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Presse

In der Schule auch für das Leben lernen

Salzburger Nachrichten, 6. September 2021, Richard Wiens

Viele Junge verlassen die Schule ohne Wissen über einfachste wirtschaftliche Zusammenhänge. Die Stiftung für Wirtschaftsbildung will das ändern.

WIEN. Dass es der breiten Bevölkerung an Finanzbildung mangelt, ist bei den Entscheidungsträgern in Wirtschaft und Politik längst angekommen. Und auch die Erkenntnis, dass man nicht früh genug mit der Vermittlung von Finanzwissen beginnen kann. „Wir brauchen einen viel größeren Fokus auf finanzielle Bildung – und zwar schon vom ganz jungen Alter an, ähnlich wie bei Sprachen. Bildung ist Macht“, sagte Mairead McGuinness, EU-Kommissarin für Finanzdienste und den Kapitalmarkt, beim diesjährigen Europäischen Forum Alpbach.
An Initiativen verschiedener Institutionen mangelt es auch in Österreich nicht. Um deren Schlagkraft zu erhöhen, wurde im Dezember 2020 die Stiftung für Wirtschaftsbildung gegründet. Sie habe sich zum Ziel gesetzt, „die Kräfte für eine breite Bildungsallianz zu bündeln“, sagt der geschäftsführender Vorstand, Matthias Reisinger.

Bei der Gründung standen Pate: Arbeiterkammer, ERSTE Stiftung (Sparkassen), Industriellenvereinigung, Innovationsstiftung für Bildung (Republik Österreich), MEGA Bildungsstiftung (B&C sowie Berndorf), Oesterreichische Nationalbank sowie die Wirtschaftskammer Österreich. Diese Breite sei sowohl für die Akzeptanz, aber auch für die Ziele wichtig, sagt Reisinger. Hauptstoßrichtung sei, das Wissensdefizit im Bereich Wirtschaft zu verringern. Dabei dürfe es aber nicht bleiben, Kinder und Jugendliche müssten auch lernen, das Wissen anzuwenden, „denn jeder ist Teil der Wirtschaft, in den unterschiedlichen Rollen“. Deshalb brauche man alle Seiten. Schließlich gehe es darum, aus jungen Menschen kritische Bürger und Konsumenten zu machen, die ihre Rechte als Arbeitnehmer kennen, denen aber auch Lust auf Unternehmertum gemacht werden soll. Die Stiftung wolle daher stark ins Schulsystem hineinwirken, sagt Reisinger, denn das sei der Ort, wo die Kinder auf die Wirtschaft vorbereitet werden sollten.

Zielgruppe ist die Sekundarstufe I (Schüler im Alter von 10 bis 14 Jahren), den Einstieg bilden sogenannte Aktionstage. Dabei werden bis zu 50 Schulen mit jeweils 500 Euro unterstützt, um Schüler einen Tag lang mit einem selbst gewählten Thema vertraut zu machen, sagt Reisinger. Das reiche vom richtigen Umgang mit Geld, über nachhaltigen Konsum bis zum Umsetzen eigener Ideen.
Die Aktionstage sind aber nur das Aufwärmprogramm für das große Ziel, Wirtschaftsbildung fix im Unterricht zu verankern. Dazu gibt es den Schulpiloten Wirtschaftsbildung. 30 Schulen unterstützt die Stiftung dabei, ab dem Schuljahr 2022/23 im Fach Geographie und Wirtschaftskunde einen vertiefenden Schwerpunkt auf Wirtschaftsbildung zu setzen. Zusätzlich sollen 120 Stunden (über drei Jahre) fächerübergreifender Projektunterricht angeboten werden.

Die zweite Variante geht darüber hinaus und zielt darauf ab, dass ab der sechsten Schulstufe Wirtschaftsbildung schulautonom als eigenes Pflichtfach in die Stundentafel aufgenommen wird. Teilnehmende Schulen werden pro Jahr mit 5000 Euro (eine Klasse) oder 7000 Euro (zwei und mehr Klassen) finanziell unterstützt. Unterrichtsministerium und Bildungsdirektionen stünden dem positiv gegenüber, sagt Reisinger. In allen Varianten werde das Lehrpersonal unterstützt, indem man Unterrichtsmaterial zur Verfügung stelle, zudem gebe es Angebote für Fortbildung über die Pädagogische Hochschule.

Reisinger, der selbst Unternehmen mitgegründet hat und bei der staatlichen Förderagentur AWS tätig war, hält es für unerlässlich, Kinder und Jugendliche besser auf das Leben nach der Schule vorzubereiten. Und er ist optimistisch: „Man sollte sie nicht unterschätzen und ihnen viel mehr zutrauen.“

In der Schule auch für das Leben lernen

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